Gottesdienst (2)

Heute war ich nicht im „Gottesdienst“. Dafür hab ich mir ein paar Gedanken zum selben gemacht. Das Wort kommt im Neuen Testament (Luther 1984) 11 Mal vor. Es werden damit unterschiedliche griechische Wörter übersetzt, die mit Ehrfurcht, Verehrung, guten Taten oder Fronarbeit zu tun haben:

  • Der israelitischen Gottesdienstes: Röm 9:4, Heb 9:1, 6, 9, 21, 10:2
  • Persönliches Opfer (Hingabe, Dienst) des Christen oder im allgemeinen Verehrung von Gott: Röm 12:1, Phil 2:17, 2. Tim 2:4, Jak 1:26
  • Handeln zugunsten von Benachteiligten: Jak 1:27

Auf Französisch wird der christliche Gottesdienst „culte“ genannt. Das Wort bezeichnet in der Segond-Übersetzung von 1912 auch heidnische Kulthandlungen (Kol 2:18, Apg 7:14).

Kein einziges Mal wird mit „Gottesdienst“ die Versammlung der Christen bezeichnet.

Wenn sich die frühe Gemeinde traf, wird im Neuen Testament von treffen, versammeln, Brot brechen, gemeinsamen Mahlzeiten gesprochen. Es wir gegenseitige Ermutigung oder Erbauung erwähnt, z.B. dass jeder etwas beitragen soll und man einander durchaus auch unterbrechen darf. Die Hinweise zu diesen Versammlungen lassen annehmen, dass sie partizipativ waren, nicht von einer einzelnen Person geleitet wurden und keinen fixen Ablauf kannten. Es schient nicht um einen „Dienst an Gott“ gegangen zu sein, sondern darum, Gott gemeinsam zu erfahren, von ihm zu lernen und einander darin zu unterstützen. Meine ketzerische Vermutung: Wenn jemand während solcher Treffen regelmässig eine Stunde lang das Wort an sich gerissen hätte, hätte Paulus das in einem seiner Briefe als Problem angesprochen.

Warum ist aus der freien interaktiven Versammlung ein immer ähnlich ablaufender religiöser Anlass geworden? Wer die (Kirchen)geschichte erforscht, findet heidnische und staatliche römische Einflüsse ab dem 2. Jahrhundert. Daran haben weder Reformation noch Freikirchen viel geändert. Sieh auch früherer Post „Gottesdienst: wessen Erfindung?

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Über Shasta

Cor (Shasta) escapes to freedom, saves Archenland and Narnia from invasion, learns his true identity, and is restored to his heritage as the son of king Luna. From the book "The Horse And His Boy" by C.S. Lewis
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